Überstunden als Lehrkraft: Was die Studien zeigen

Dass Lehrkräfte mehr arbeiten, als im Deputat steht, ist im Kollegium Allgemeinwissen. Ungewöhnlich ist, wie gut es inzwischen belegt ist: Seit gut zehn Jahren erheben Arbeitszeitstudien, wie viele Stunden tatsächlich zusammenkommen. Hier stehen die Zahlen — und was sich daraus für dich ableiten lässt.

Die Zahlen

Den Referenzpunkt liefern die Arbeitszeitstudien der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen, die seit Jahren in mehreren Bundesländern durchgeführt werden. Die Erhebung für Sachsen (2022) mit rund 1.500 Lehrkräften an 300 Schulen kam zu folgendem Bild:

Die Erhebung für Berlin (2025) kommt in derselben Größenordnung heraus: rund 100 Stunden Mehrarbeit pro Kopf und Jahr, hochgerechnet auf alle Berliner Lehrkräfte über zwei Millionen unbezahlte Stunden jährlich.

Drei Stunden pro Woche klingen nach wenig. Über ein Schuljahr sind es rund 150 Stunden — knapp vier zusätzliche Arbeitswochen.

Warum sich das so schwer greifen lässt

Anders als in Berufen mit Stechuhr fällt die Mehrarbeit im Schuldienst nicht als Block an, sondern in vielen kleinen Portionen: eine halbe Stunde Vorbereitung am Abend, zwei Stunden Korrektur am Sonntag, ein Elterngespräch zwischen Tür und Angel, die Klassenfahrt, bei der die Arbeitszeit ohnehin nicht mehr messbar ist. Die Studien sprechen von einer Entgrenzung der Arbeitszeit: Sie hat keinen Anfang und kein Ende mehr.

Dazu kommt, dass die entlastenden Zeiten — die Ferien — sehr sichtbar sind, während die belastenden über das Jahr verteilt und unsichtbar bleiben. Genau deshalb ist die öffentliche Debatte über Lehrerarbeitszeit so festgefahren: Beide Seiten haben Recht, weil sie über verschiedene Zeiträume reden.

Mehrarbeit, Überstunden, Ausgleich — die Begriffe

Umgangssprachlich heißt alles „Überstunden“. Dienstrechtlich ist die Lage differenzierter, und sie unterscheidet sich zwischen den Bundesländern:

Was in deinem Fall konkret gilt, steht in der Arbeitszeit- oder Mehrarbeitsverordnung deines Landes; im Zweifel geben Personalrat oder Gewerkschaft Auskunft. Eine eigene Dokumentation ersetzt diese Auskunft nicht — sie ist aber die Grundlage, um das Gespräch überhaupt führen zu können.

Was Aufschreiben tatsächlich bringt

Der Effekt ist unspektakulär, aber verlässlich: Nach ein paar Wochen weißt du, wo deine Zeit hingeht. In fast allen Fällen fällt dabei etwas auf, mit dem man vorher nicht gerechnet hätte — häufig der Korrekturanteil in bestimmten Fächern, oft auch die Summe der vielen kleinen Verwaltungsvorgänge.

Daraus lassen sich drei Dinge machen: Aufgaben im Kollegium anders verteilen, das eigene Vorgehen bei den größten Blöcken ändern (Korrekturschlüssel, Materialrecycling, Sprechzeiten bündeln) — oder mit Zahlen belegt eine Entlastung beantragen.

Überstunden von Lehrkräften sichtbar gemacht: Jahresverlauf der erfassten Arbeitszeit Monat für Monat

Der einfachste Weg zu eigenen Zahlen

Damit die Dokumentation nicht selbst zur Belastung wird, sollte der größte Block automatisch laufen: Der Unterricht steht ohnehin im Stundenplan und muss nicht jede Woche neu eingetippt werden. Übrig bleibt das, was tatsächlich variiert — und das ist genau der Teil, über den man ohnehin Bescheid wissen will.

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Häufige Fragen

Wie viele Überstunden machen Lehrkräfte im Schnitt?

Nach den Arbeitszeitstudien der Universität Göttingen liegt die Arbeitszeit im Jahresmittel — Ferien eingerechnet — um mehr als drei Stunden pro Woche über dem Soll. Über ein Schuljahr sind das rund 150 Stunden oder knapp vier zusätzliche Arbeitswochen. Die Berliner Erhebung von 2025 kommt auf etwa 100 Stunden Mehrarbeit pro Kopf und Jahr.

Arbeiten Gymnasiallehrer mehr als Grundschullehrer?

Nach der sächsischen Erhebung von 2022 ja: Am Gymnasium lag die Mehrarbeit bei rund 4 Stunden 18 Minuten pro Woche, an Grund- und Oberschulen bei jeweils etwa 2 Stunden 16 Minuten. Hauptgrund ist der deutlich höhere Korrekturaufwand in der Sekundarstufe II.

Ist es erlaubt, als Lehrkraft mehr als 48 Stunden pro Woche zu arbeiten?

Die 48-Stunden-Grenze ist die arbeitsschutzrechtliche Höchstgrenze im Wochendurchschnitt. Die Studien zeigen, dass rund ein Drittel der Vollzeitkräfte sie während der Schulzeit überschreitet. Da über das Jahr gemittelt wird und die Ferien gegenrechnen, ist die Bewertung im Einzelfall komplizierter — der Befund gilt aber als wesentliches Argument in der Debatte um Arbeitszeiterfassung an Schulen.

Bekomme ich Überstunden als Lehrkraft ausgezahlt?

Angeordnete Mehrarbeit, etwa zusätzliche Vertretungsstunden über das Deputat hinaus, wird nach den Regelungen des jeweiligen Bundeslandes ab einer bestimmten Stundenzahl ausgeglichen oder vergütet. Mehrarbeit, die durch Vorbereitung, Korrektur und Verwaltung entsteht, ist dagegen bisher weder erfasst noch mit einem automatischen Ausgleichsanspruch verbunden. Verbindliche Auskunft geben Personalrat oder Gewerkschaft.